Essen wir CrossFitter:innen zu wenig?

Die meisten CrossFitter:innen essen zu wenig

Warum dein Training mehr Energie braucht, als du denkst!

CrossFit ist intensiv. In einer einzigen Trainingswoche kommen oft schwere Lifts, Gymnastics, Intervallbelastungen, hohe Wiederholungszahlen und harte Metcons zusammen. Genau das macht CrossFit so effektiv – stellt aber auch hohe Anforderungen an den Körper.

Ein Punkt wird dabei häufig unterschätzt: Ernährung ist nicht nur ein Thema für Abnehmen, Muskelaufbau oder „sauberes Essen“. Ernährung ist die Grundlage dafür, dass du im Training Leistung bringen, dich erholen und langfristig gesund bleiben kannst.

Aktuelle Untersuchungen zeigen: Viele CrossFit-Athlet:innen nehmen entweder insgesamt zu wenig Energie auf oder decken ihren Bedarf an Kohlenhydraten nicht ausreichend. Besonders spannend ist dabei: Das Problem ist nicht immer ein klassischer Proteinmangel. Häufig ist Protein sogar ausreichend vorhanden – während Kalorien, Kohlenhydrate und einzelne Mikronährstoffe zu niedrig liegen. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zu Ernährung im CrossFit kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass die Kohlenhydratzufuhr oft unter Sportempfehlungen liegt, während Protein meist eher ausreichend aufgenommen wird.

1. Hintergrund: Das Energie-Dilemma im CrossFit

Viele Athlet:innen verbinden Ernährung zunächst mit Kontrolle: weniger Zucker, weniger Kalorien, weniger „schlechte“ Lebensmittel. Für manche Ziele kann eine bewusste Steuerung sinnvoll sein. Im CrossFit entsteht aber schnell ein Problem, wenn „bewusst essen“ unbemerkt zu chronisch zu wenig essen wird.

Ein intensives CrossFit- oder High-Intensity-Functional-Training kann je nach Dauer, Körpergewicht, Intensität und Trainingsaufbau mehrere hundert Kilokalorien verbrauchen. In Studien wurden für entsprechende Einheiten im Schnitt etwa 485 kcal pro Session beziehungsweise bei CrossFit-Training etwa 605 ± 219 kcal pro Einheit berichtet. Die genaue Zahl schwankt stark, aber als grobe Orientierung ist klar: Wer mehrmals pro Woche intensiv trainiert, braucht eine entsprechend angepasste Energiezufuhr.

Das Problem: Viele essen im Alltag ähnlich wie jemand, der nur wenig Sport macht – trainieren aber wie jemand, der deutlich mehr Energie verbraucht.

2. Studie 1: Capistrano Jr. et al. – Nährstoffversorgung von CrossFit-Athleten

Eine brasilianische Querschnittsstudie (Capistrano Jr. et al.) untersuchte 25 CrossFitter:innen im Alter von 18–50 Jahren anhand von 7-Tage-Ernährungsprotokollen und Körperzusammensetzungsanalysen.

2.1 Zentrale Ergebnisse
  • Energieaufnahme:
    Durchschnittlich 2.900 kcal/Tag – deutlich unter dem Bedarf, wenn man bedenkt, dass ein typisches CrossFit-WOD pro Session 400–600 kcal verbrennt.

  • Makronährstoffverteilung:

    • Protein: 2,3 g/kg Körpergewicht (gut, teils über den Empfehlungen von 1,6–2,0 g/kg).

    • Kohlenhydrate: nur 4,5 g/kg – die Empfehlung für hochintensive Sportarten liegt bei 5–12 g/kg.
      44 % der Athlet:innen lagen unterhalb der Mindestempfehlung.

  • Mikronährstoffmängel:
    Defizite bei Kalium, Calcium, Selen sowie Vitamin A, D, B9 (Folat) und B12 – über 50 % der Teilnehmendenwaren unterversorgt.

2.2 Interpretation
  • Trotz „high-protein diets“ fehlt es CrossFitter:innen oft an Energie aus Kohlenhydraten, die für die Wiederauffüllung der Glykogenspeicher und intensive Workouts essenziell sind.

  • Ein chronisches Energiedefizit führt zu Müdigkeit, längeren Regenerationszeiten und kann das Immunsystem schwächen.

3. Studie 2: Ernährungsstatus von CrossFit-Teilnehmer:innen in Polen

Eine weitere Untersuchung (Ahmet et al., 2020) analysierte 62 CrossFitter:innen (31 Frauen, 31 Männer) über drei Tage.

3.1 Zentrale Ergebnisse
  • Kalorienaufnahme:

    • Frauen: ca. 1.700 kcal/Tag

    • Männer: ca. 2.300 kcal/Tag
      viel zu niedrig für Sportler:innen, die 3–5 Mal pro Woche trainieren.

  • Makronährstoffe:

    • Sowohl Kohlenhydrat- als auch Proteinzufuhr lagen bei vielen unterhalb der Sportempfehlungen.

    • Besonders Frauen wiesen deutliche Defizite bei Eisen und Calcium auf.

3.2 Interpretation
  • Diese Kalorienmengen entsprechen eher einem Sitzenden Lebensstil als dem eines CrossFitter:innen, die pro Trainingseinheit mehrere hundert Kalorien verbrauchen.

  • Das Risiko für Low Energy Availability (LEA) und das RED-S-Syndrom (Relative Energy Deficiency in Sport) ist erhöht: hormonelle Dysbalancen, Menstruationsstörungen, Leistungseinbußen und langfristige Gesundheitsschäden sind möglich.

3. Warum gerade Kohlenhydrate im CrossFit so wichtig sind

CrossFit kombiniert Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, hohe Wiederholungszahlen und kurze Pausen. Viele Workouts belasten deshalb stark den anaeroben und gemischt aerob-anaeroben Stoffwechsel. Dafür braucht der Körper gut gefüllte Glykogenspeicher – also gespeicherte Kohlenhydrate in Muskulatur und Leber.

Kohlenhydrate liefern bei intensiven Belastungen Energie besonders schnell. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung beschreibt in ihrem Positionspapier zur Sporternährung, dass Kohlenhydrate für intensive und länger andauernde beziehungsweise intermittierende Belastungen eine zentrale Rolle spielen und sich die empfohlene Menge nach Körpergewicht und Aktivitätsumfang richtet.

Für CrossFit bedeutet das praktisch: Wer regelmäßig hart trainiert, aber Kohlenhydrate dauerhaft sehr niedrig hält, merkt das oft nicht sofort – aber häufig nach einigen Wochen.

Typische Folgen können sein:

  • weniger Explosivität
  • früheres „Zumachen“ im Workout
  • schwächere Lifts bei hoher Ermüdung
  • schlechtere Wiederholbarkeit von Leistung
  • mehr Heißhunger
  • schlechtere Regeneration
  • stagnierende Fortschritte

Das heißt nicht, dass jede:r extrem viele Kohlenhydrate essen muss. Aber es bedeutet: Kohlenhydrate sind für CrossFit kein Gegner. Sie sind Trainingsenergie.

4. Was passiert, wenn Energie dauerhaft zu niedrig ist?

Kurzfristig kann ein leichtes Kaloriendefizit sinnvoll sein, zum Beispiel wenn Körperfett reduziert werden soll. Problematisch wird es, wenn die Energieverfügbarkeit dauerhaft zu niedrig ist.

In der Sportwissenschaft wird dafür häufig der Begriff Low Energy Availability verwendet. Gemeint ist: Nach Abzug der Trainingsenergie bleibt dem Körper zu wenig Energie für wichtige Grundfunktionen. Das kann nicht nur die Leistung betreffen, sondern auch Regeneration, Immunsystem, Hormonhaushalt, Knochengesundheit und psychisches Wohlbefinden.

Der IOC-Konsens zu Relative Energy Deficiency in Sport, kurz REDs, beschreibt REDs ausdrücklich als Syndrom, das sowohl weibliche als auch männliche Athlet:innen betreffen kann, wenn sie einer zu niedrigen Energieverfügbarkeit ausgesetzt sind. Die Folgen können Gesundheit und Leistung betreffen.

Mögliche Warnsignale sind:

  • dauerhaft müde Beine
  • ungewohnt lange Regeneration
  • Leistungsabfall trotz regelmäßigem Training
  • schlechter Schlaf
  • häufige Infekte
  • erhöhte Verletzungsanfälligkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • starker Heißhunger
  • bei Frauen: Zyklusunregelmäßigkeiten oder ausbleibende Periode
  • bei Männern: mögliche Hinweise auf hormonelle Dysbalancen, zum Beispiel auffällig niedrige Energie, Libidoverlust oder stagnierende Anpassung

Wichtig: Solche Zeichen beweisen nicht automatisch REDs. Sie sind aber Hinweise, dass Training, Energiezufuhr, Stress und Regeneration gemeinsam betrachtet werden sollten.

5. Protein ist wichtig – aber nicht die ganze Lösung

Viele CrossFitter:innen achten stark auf Protein. Das ist grundsätzlich sinnvoll: Protein unterstützt Muskelproteinsynthese, Reparaturprozesse und Anpassungen an Krafttraining. Die International Society of Sports Nutrition nennt für trainierende Personen häufig 1,4–2,0 g Protein pro kg Körpergewicht pro Tag als sinnvollen Mindestbereich; je nach Ziel, Diätphase und Trainingsbelastung können etwas höhere Mengen praktisch sinnvoll sein.

Für CrossFit Bayreuth würden wir als alltagstaugliche Orientierung meist sagen:

ca. 1,6–2,2 g Protein pro kg Körpergewicht pro Tag

Bei 75 kg Körpergewicht wären das ungefähr 120–165 g Protein pro Tag.

Aber: Protein allein löst kein Energieproblem. Wer genug Protein isst, aber insgesamt zu wenig Kalorien und Kohlenhydrate aufnimmt, kann trotzdem schlecht regenerieren und im Training stagnieren. Gerade bei intensiven WODs ist die Kombination entscheidend:

ausreichend Energie + ausreichend Kohlenhydrate + ausreichend Protein + gute Mikronährstoffversorgung

6. Praktische Empfehlungen für CrossFitter:innen

1. Energiebedarf realistisch einschätzen

Als grobe Orientierung können aktive CrossFitter:innen häufig mit etwa:

30–45 kcal pro kg Körpergewicht pro Tag

arbeiten – abhängig von Körpergewicht, Trainingshäufigkeit, Alltag, Job, Schlaf, Zielsetzung und Trainingsphase.

Beispiel:

75 kg Athlet:in
→ ca. 2.250–3.375 kcal/Tag als grober Orientierungsbereich

Für viele Freizeitathlet:innen mit 3–5 Einheiten pro Woche liegt ein sinnvoller Bereich häufig irgendwo in der Mitte. Wer körperlich arbeitet, viele Schritte macht, zusätzlich läuft oder gerade sehr intensiv trainiert, braucht entsprechend mehr.


2. Kohlenhydrate nicht unnötig niedrig halten

Für regelmäßiges intensives Training ist ein Bereich von etwa:

5–7 g Kohlenhydrate pro kg Körpergewicht pro Tag

eine sinnvolle Orientierung. Bei besonders intensiven Phasen, Wettkampfvorbereitung oder sehr hohem Trainingsumfang kann auch mehr sinnvoll sein. Die DGE beschreibt, dass Kohlenhydratbedarf im Sport vom Körpergewicht und Aktivitätsumfang abhängt und gerade intensive Belastungen eine ausreichende Kohlenhydratzufuhr erfordern.

Beispiel:

75 kg Athlet:in
→ ca. 375–525 g Kohlenhydrate pro Tag

Das klingt zunächst viel. In der Praxis verteilt sich das aber über Frühstück, Mittagessen, Abendessen sowie Pre- und Post-Workout-Mahlzeiten.

Gute Quellen sind zum Beispiel:

  • Reis
  • Kartoffeln
  • Haferflocken
  • Brot oder Wraps
  • Nudeln
  • Obst
  • Hülsenfrüchte
  • Müsli
  • Saftschorle oder leicht verdauliche Carbs rund ums Training

3. Protein konstant halten

Protein sollte nicht nur „irgendwann“ am Tag vorkommen, sondern möglichst gut verteilt werden. Die ISSN beschreibt pro Mahlzeit häufig etwa 20–40 g hochwertiges Protein beziehungsweise etwa 0,25 g/kg Körpergewicht pro Portionals sinnvolle Orientierung.

Praktisch bedeutet das:

  • 3–4 proteinreiche Mahlzeiten pro Tag
  • jeweils etwa 25–45 g Protein
  • nach dem Training eine Mahlzeit oder ein Snack mit Protein und Kohlenhydraten

Gute Proteinquellen sind zum Beispiel:

  • Eier
  • Skyr, Quark, Joghurt
  • Fisch
  • Fleisch
  • Tofu, Tempeh
  • Hülsenfrüchte
  • Whey oder veganes Proteinpulver, wenn es praktisch hilft

4. Mikronährstoffe nicht vergessen

In den CrossFit-Studien ging es nicht nur um Kalorien und Makros. Auch einzelne Vitamine und Mineralstoffe waren teilweise kritisch. In der polnischen Studie zeigten sich bei Frauen unter anderem niedrige Werte bei Eisen und Calcium; in der brasilianischen Studie wurden bei vielen Athlet:innen unzureichende Aufnahmen verschiedener Mikronährstoffe beschrieben.

Besonders im Blick behalten sollte man:

  • Eisen
  • Calcium
  • Vitamin D
  • Magnesium
  • Folat
  • B-Vitamine
  • Kalium
  • Selen

Das heißt nicht, dass jede:r sofort supplementieren muss. Der erste Schritt ist meistens eine vollwertigere Basisernährung: genug Obst, Gemüse, Milchprodukte oder Alternativen, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Samen, Fisch oder andere hochwertige Eiweißquellen.

7. Beispiel: 75 kg Athlet:in mit 4 WODs pro Woche

Ein mögliches Ziel könnte so aussehen:

MAKRO

Menge
Energieca. 2.400–3.000 kcal/Tag
Kohlenhydrateca. 375–525 g/Tag
Proteinca. 120–165 g/Tag
Fettindividuell ergänzend, meist ca. 0,8–1,2 g/kg

Das ist kein starrer Plan. Die genaue Menge hängt ab von Trainingsziel, Körperzusammensetzung, Alltag, Hunger, Schlaf, Zyklus, Stress, Körpergewichtsentwicklung und Leistungsentwicklung.

Ein einfacher Praxischeck:

  • Fällt deine Leistung trotz regelmäßigem Training?
  • Bist du ständig müde?
  • Hast du ungewöhnlich viel Muskelkater?
  • Hast du Heißhunger am Abend?
  • Werden deine Lifts schwächer?
  • Hast du oft kalte Hände, schlechten Schlaf oder Stimmungsschwankungen?
  • Bleibt bei Frauen der Zyklus aus oder wird unregelmäßig?

Dann lohnt es sich, nicht nur das Training, sondern auch die Energiezufuhr anzuschauen.


Quellen:

  • Capistrano Jr., A.C. et al. (2020): Nutrient Intake and Body Composition in CrossFit Athletes: A Cross-sectional Study.

  • Ahmet, D. et al. (2020): Assessment of Dietary Intake and Nutritional Status in CrossFit-Trained Individuals.

  • Çelik et al. (2018): Energy Expenditure During Functional Training.

Du möchtest mehr zu diesem Thema erfaHren?

Falls du dir unsicher bist, schreib uns gerne!

Essen wir CrossFitter:innen zu wenig?

Die meisten CrossFitter:innen essen zu wenig

Warum dein Training mehr Energie braucht, als du denkst!

CrossFit ist intensiv. In einer einzigen Trainingswoche kommen oft schwere Lifts, Gymnastics, Intervallbelastungen, hohe Wiederholungszahlen und harte Metcons zusammen. Genau das macht CrossFit so effektiv – stellt aber auch hohe Anforderungen an den Körper.

Ein Punkt wird dabei häufig unterschätzt: Ernährung ist nicht nur ein Thema für Abnehmen, Muskelaufbau oder „sauberes Essen“. Ernährung ist die Grundlage dafür, dass du im Training Leistung bringen, dich erholen und langfristig gesund bleiben kannst.

Aktuelle Untersuchungen zeigen: Viele CrossFit-Athlet:innen nehmen entweder insgesamt zu wenig Energie auf oder decken ihren Bedarf an Kohlenhydraten nicht ausreichend. Besonders spannend ist dabei: Das Problem ist nicht immer ein klassischer Proteinmangel. Häufig ist Protein sogar ausreichend vorhanden – während Kalorien, Kohlenhydrate und einzelne Mikronährstoffe zu niedrig liegen. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zu Ernährung im CrossFit kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass die Kohlenhydratzufuhr oft unter Sportempfehlungen liegt, während Protein meist eher ausreichend aufgenommen wird.

1. Hintergrund: Das Energie-Dilemma im CrossFit

Viele Athlet:innen verbinden Ernährung zunächst mit Kontrolle: weniger Zucker, weniger Kalorien, weniger „schlechte“ Lebensmittel. Für manche Ziele kann eine bewusste Steuerung sinnvoll sein. Im CrossFit entsteht aber schnell ein Problem, wenn „bewusst essen“ unbemerkt zu chronisch zu wenig essen wird.

Ein intensives CrossFit- oder High-Intensity-Functional-Training kann je nach Dauer, Körpergewicht, Intensität und Trainingsaufbau mehrere hundert Kilokalorien verbrauchen. In Studien wurden für entsprechende Einheiten im Schnitt etwa 485 kcal pro Session beziehungsweise bei CrossFit-Training etwa 605 ± 219 kcal pro Einheit berichtet. Die genaue Zahl schwankt stark, aber als grobe Orientierung ist klar: Wer mehrmals pro Woche intensiv trainiert, braucht eine entsprechend angepasste Energiezufuhr.

Das Problem: Viele essen im Alltag ähnlich wie jemand, der nur wenig Sport macht – trainieren aber wie jemand, der deutlich mehr Energie verbraucht.

2. Studie 1: Capistrano Jr. et al. – Nährstoffversorgung von CrossFit-Athleten

Eine brasilianische Querschnittsstudie (Capistrano Jr. et al.) untersuchte 25 CrossFitter:innen im Alter von 18–50 Jahren anhand von 7-Tage-Ernährungsprotokollen und Körperzusammensetzungsanalysen.

2.1 Zentrale Ergebnisse
  • Energieaufnahme:
    Durchschnittlich 2.900 kcal/Tag – deutlich unter dem Bedarf, wenn man bedenkt, dass ein typisches CrossFit-WOD pro Session 400–600 kcal verbrennt.

  • Makronährstoffverteilung:

    • Protein: 2,3 g/kg Körpergewicht (gut, teils über den Empfehlungen von 1,6–2,0 g/kg).

    • Kohlenhydrate: nur 4,5 g/kg – die Empfehlung für hochintensive Sportarten liegt bei 5–12 g/kg.
      44 % der Athlet:innen lagen unterhalb der Mindestempfehlung.

  • Mikronährstoffmängel:
    Defizite bei Kalium, Calcium, Selen sowie Vitamin A, D, B9 (Folat) und B12 – über 50 % der Teilnehmendenwaren unterversorgt.

2.2 Interpretation
  • Trotz „high-protein diets“ fehlt es CrossFitter:innen oft an Energie aus Kohlenhydraten, die für die Wiederauffüllung der Glykogenspeicher und intensive Workouts essenziell sind.

  • Ein chronisches Energiedefizit führt zu Müdigkeit, längeren Regenerationszeiten und kann das Immunsystem schwächen.

3. Studie 2: Ernährungsstatus von CrossFit-Teilnehmer:innen in Polen

Eine weitere Untersuchung (Ahmet et al., 2020) analysierte 62 CrossFitter:innen (31 Frauen, 31 Männer) über drei Tage.

3.1 Zentrale Ergebnisse
  • Kalorienaufnahme:

    • Frauen: ca. 1.700 kcal/Tag

    • Männer: ca. 2.300 kcal/Tag
      viel zu niedrig für Sportler:innen, die 3–5 Mal pro Woche trainieren.

  • Makronährstoffe:

    • Sowohl Kohlenhydrat- als auch Proteinzufuhr lagen bei vielen unterhalb der Sportempfehlungen.

    • Besonders Frauen wiesen deutliche Defizite bei Eisen und Calcium auf.

3.2 Interpretation
  • Diese Kalorienmengen entsprechen eher einem Sitzenden Lebensstil als dem eines CrossFitter:innen, die pro Trainingseinheit mehrere hundert Kalorien verbrauchen.

  • Das Risiko für Low Energy Availability (LEA) und das RED-S-Syndrom (Relative Energy Deficiency in Sport) ist erhöht: hormonelle Dysbalancen, Menstruationsstörungen, Leistungseinbußen und langfristige Gesundheitsschäden sind möglich.

3. Warum gerade Kohlenhydrate im CrossFit so wichtig sind

CrossFit kombiniert Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, hohe Wiederholungszahlen und kurze Pausen. Viele Workouts belasten deshalb stark den anaeroben und gemischt aerob-anaeroben Stoffwechsel. Dafür braucht der Körper gut gefüllte Glykogenspeicher – also gespeicherte Kohlenhydrate in Muskulatur und Leber.

Kohlenhydrate liefern bei intensiven Belastungen Energie besonders schnell. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung beschreibt in ihrem Positionspapier zur Sporternährung, dass Kohlenhydrate für intensive und länger andauernde beziehungsweise intermittierende Belastungen eine zentrale Rolle spielen und sich die empfohlene Menge nach Körpergewicht und Aktivitätsumfang richtet.

Für CrossFit bedeutet das praktisch: Wer regelmäßig hart trainiert, aber Kohlenhydrate dauerhaft sehr niedrig hält, merkt das oft nicht sofort – aber häufig nach einigen Wochen.

Typische Folgen können sein:

  • weniger Explosivität
  • früheres „Zumachen“ im Workout
  • schwächere Lifts bei hoher Ermüdung
  • schlechtere Wiederholbarkeit von Leistung
  • mehr Heißhunger
  • schlechtere Regeneration
  • stagnierende Fortschritte

Das heißt nicht, dass jede:r extrem viele Kohlenhydrate essen muss. Aber es bedeutet: Kohlenhydrate sind für CrossFit kein Gegner. Sie sind Trainingsenergie.

4. Was passiert, wenn Energie dauerhaft zu niedrig ist?

Kurzfristig kann ein leichtes Kaloriendefizit sinnvoll sein, zum Beispiel wenn Körperfett reduziert werden soll. Problematisch wird es, wenn die Energieverfügbarkeit dauerhaft zu niedrig ist.

In der Sportwissenschaft wird dafür häufig der Begriff Low Energy Availability verwendet. Gemeint ist: Nach Abzug der Trainingsenergie bleibt dem Körper zu wenig Energie für wichtige Grundfunktionen. Das kann nicht nur die Leistung betreffen, sondern auch Regeneration, Immunsystem, Hormonhaushalt, Knochengesundheit und psychisches Wohlbefinden.

Der IOC-Konsens zu Relative Energy Deficiency in Sport, kurz REDs, beschreibt REDs ausdrücklich als Syndrom, das sowohl weibliche als auch männliche Athlet:innen betreffen kann, wenn sie einer zu niedrigen Energieverfügbarkeit ausgesetzt sind. Die Folgen können Gesundheit und Leistung betreffen.

Mögliche Warnsignale sind:

  • dauerhaft müde Beine
  • ungewohnt lange Regeneration
  • Leistungsabfall trotz regelmäßigem Training
  • schlechter Schlaf
  • häufige Infekte
  • erhöhte Verletzungsanfälligkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • starker Heißhunger
  • bei Frauen: Zyklusunregelmäßigkeiten oder ausbleibende Periode
  • bei Männern: mögliche Hinweise auf hormonelle Dysbalancen, zum Beispiel auffällig niedrige Energie, Libidoverlust oder stagnierende Anpassung

Wichtig: Solche Zeichen beweisen nicht automatisch REDs. Sie sind aber Hinweise, dass Training, Energiezufuhr, Stress und Regeneration gemeinsam betrachtet werden sollten.

5. Protein ist wichtig – aber nicht die ganze Lösung

Viele CrossFitter:innen achten stark auf Protein. Das ist grundsätzlich sinnvoll: Protein unterstützt Muskelproteinsynthese, Reparaturprozesse und Anpassungen an Krafttraining. Die International Society of Sports Nutrition nennt für trainierende Personen häufig 1,4–2,0 g Protein pro kg Körpergewicht pro Tag als sinnvollen Mindestbereich; je nach Ziel, Diätphase und Trainingsbelastung können etwas höhere Mengen praktisch sinnvoll sein.

Für CrossFit Bayreuth würden wir als alltagstaugliche Orientierung meist sagen:

ca. 1,6–2,2 g Protein pro kg Körpergewicht pro Tag

Bei 75 kg Körpergewicht wären das ungefähr 120–165 g Protein pro Tag.

Aber: Protein allein löst kein Energieproblem. Wer genug Protein isst, aber insgesamt zu wenig Kalorien und Kohlenhydrate aufnimmt, kann trotzdem schlecht regenerieren und im Training stagnieren. Gerade bei intensiven WODs ist die Kombination entscheidend:

ausreichend Energie + ausreichend Kohlenhydrate + ausreichend Protein + gute Mikronährstoffversorgung

6. Praktische Empfehlungen für CrossFitter:innen

1. Energiebedarf realistisch einschätzen

Als grobe Orientierung können aktive CrossFitter:innen häufig mit etwa:

30–45 kcal pro kg Körpergewicht pro Tag

arbeiten – abhängig von Körpergewicht, Trainingshäufigkeit, Alltag, Job, Schlaf, Zielsetzung und Trainingsphase.

Beispiel:

75 kg Athlet:in
→ ca. 2.250–3.375 kcal/Tag als grober Orientierungsbereich

Für viele Freizeitathlet:innen mit 3–5 Einheiten pro Woche liegt ein sinnvoller Bereich häufig irgendwo in der Mitte. Wer körperlich arbeitet, viele Schritte macht, zusätzlich läuft oder gerade sehr intensiv trainiert, braucht entsprechend mehr.


2. Kohlenhydrate nicht unnötig niedrig halten

Für regelmäßiges intensives Training ist ein Bereich von etwa:

5–7 g Kohlenhydrate pro kg Körpergewicht pro Tag

eine sinnvolle Orientierung. Bei besonders intensiven Phasen, Wettkampfvorbereitung oder sehr hohem Trainingsumfang kann auch mehr sinnvoll sein. Die DGE beschreibt, dass Kohlenhydratbedarf im Sport vom Körpergewicht und Aktivitätsumfang abhängt und gerade intensive Belastungen eine ausreichende Kohlenhydratzufuhr erfordern.

Beispiel:

75 kg Athlet:in
→ ca. 375–525 g Kohlenhydrate pro Tag

Das klingt zunächst viel. In der Praxis verteilt sich das aber über Frühstück, Mittagessen, Abendessen sowie Pre- und Post-Workout-Mahlzeiten.

Gute Quellen sind zum Beispiel:

  • Reis
  • Kartoffeln
  • Haferflocken
  • Brot oder Wraps
  • Nudeln
  • Obst
  • Hülsenfrüchte
  • Müsli
  • Saftschorle oder leicht verdauliche Carbs rund ums Training

3. Protein konstant halten

Protein sollte nicht nur „irgendwann“ am Tag vorkommen, sondern möglichst gut verteilt werden. Die ISSN beschreibt pro Mahlzeit häufig etwa 20–40 g hochwertiges Protein beziehungsweise etwa 0,25 g/kg Körpergewicht pro Portionals sinnvolle Orientierung.

Praktisch bedeutet das:

  • 3–4 proteinreiche Mahlzeiten pro Tag
  • jeweils etwa 25–45 g Protein
  • nach dem Training eine Mahlzeit oder ein Snack mit Protein und Kohlenhydraten

Gute Proteinquellen sind zum Beispiel:

  • Eier
  • Skyr, Quark, Joghurt
  • Fisch
  • Fleisch
  • Tofu, Tempeh
  • Hülsenfrüchte
  • Whey oder veganes Proteinpulver, wenn es praktisch hilft

4. Mikronährstoffe nicht vergessen

In den CrossFit-Studien ging es nicht nur um Kalorien und Makros. Auch einzelne Vitamine und Mineralstoffe waren teilweise kritisch. In der polnischen Studie zeigten sich bei Frauen unter anderem niedrige Werte bei Eisen und Calcium; in der brasilianischen Studie wurden bei vielen Athlet:innen unzureichende Aufnahmen verschiedener Mikronährstoffe beschrieben.

Besonders im Blick behalten sollte man:

  • Eisen
  • Calcium
  • Vitamin D
  • Magnesium
  • Folat
  • B-Vitamine
  • Kalium
  • Selen

Das heißt nicht, dass jede:r sofort supplementieren muss. Der erste Schritt ist meistens eine vollwertigere Basisernährung: genug Obst, Gemüse, Milchprodukte oder Alternativen, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Samen, Fisch oder andere hochwertige Eiweißquellen.

7. Beispiel: 75 kg Athlet:in mit 4 WODs pro Woche

Ein mögliches Ziel könnte so aussehen:

MAKRO

Menge
Energieca. 2.400–3.000 kcal/Tag
Kohlenhydrateca. 375–525 g/Tag
Proteinca. 120–165 g/Tag
Fettindividuell ergänzend, meist ca. 0,8–1,2 g/kg

Das ist kein starrer Plan. Die genaue Menge hängt ab von Trainingsziel, Körperzusammensetzung, Alltag, Hunger, Schlaf, Zyklus, Stress, Körpergewichtsentwicklung und Leistungsentwicklung.

Ein einfacher Praxischeck:

  • Fällt deine Leistung trotz regelmäßigem Training?
  • Bist du ständig müde?
  • Hast du ungewöhnlich viel Muskelkater?
  • Hast du Heißhunger am Abend?
  • Werden deine Lifts schwächer?
  • Hast du oft kalte Hände, schlechten Schlaf oder Stimmungsschwankungen?
  • Bleibt bei Frauen der Zyklus aus oder wird unregelmäßig?

Dann lohnt es sich, nicht nur das Training, sondern auch die Energiezufuhr anzuschauen.


Quellen:

  • Capistrano Jr., A.C. et al. (2020): Nutrient Intake and Body Composition in CrossFit Athletes: A Cross-sectional Study.

  • Ahmet, D. et al. (2020): Assessment of Dietary Intake and Nutritional Status in CrossFit-Trained Individuals.

  • Çelik et al. (2018): Energy Expenditure During Functional Training.

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