Functional Fitness und CrossFit haben sich in den vergangenen Jahren – insbesondere bei Frauen – stark etabliert. Viele Frauen nutzen diese Trainingsformen nicht nur zur Leistungssteigerung, sondern auch für Gesundheit, Kraftaufbau und langfristige Fitness.
Gleichzeitig rückt ein Thema zunehmend in den Fokus von Wissenschaft und Praxis: Harninkontinenz während des Trainings, insbesondere die sogenannte Belastungsinkontinenz.
Bei der Belastungsinkontinenz, im Englischen Stress Urinary Incontinence (SUI), kommt es unter körperlicher Belastung zu ungewolltem Urinverlust. Der Begriff „Stress“ meint hier nicht psychischen Stress, sondern mechanische Belastung.
Dabei können typische Auslöser können: Husten oder Niesen, Joggen, Seilspringen / Double Unders, Box Jumps oder auch schwere Lifts.
Im CrossFit- und Functional-Fitness-Kontext entstehen häufig hohe Anforderungen an den Körper: schnelle Lastwechsel, Sprünge, hohe intraabdominale Druckspitzen, Ermüdung und wiederholte Stoßbelastungen. Der Beckenboden muss dabei nicht einfach nur „stark“ sein, sondern vor allem gut mit Atmung, Rumpfspannung und Bewegung zusammenspielen.
Er muss Druck regulieren, vorausschauend reagieren und sich schnell anspannen und wieder entspannen können. Genau hier können bei manchen Athletinnen Probleme entstehen.
Gezielte Untersuchungen zum Thema zeigen einstimmig: Harninkontinenz kommt bei Frauen im CrossFit und Functional Fitness relativ häufig vor. Die berichteten Häufigkeiten unterscheiden sich jedoch je nach Studie, Studiendesign und untersuchter Gruppe.
In den vorliegenden Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen liegt die berichtete Prävalenz von Harninkontinenz bei CrossFit-Athletinnen ungefähr zwischen 30 und 45 Prozent.
Die häufigste Form war dabei die Belastungsinkontinenz. Besonders häufig wurden Beschwerden bei Übungen wie Double Unders, Box Jumps, Laufen und Sprungbewegungen beschrieben.
Interessant ist dabei: Die Autorinnen und Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Häufigkeit bei CrossFit-Athletinnen ähnlich ist wie bei Frauen in anderen High-Impact-Sportarten.
Dazu zählen zum Beispiel: Turnen, Trampolinsport, Volleyball oder diverse Laufdisziplinen. Der gemeinsame Nenner scheint daher weniger „CrossFit“ als einzelnes Trainingssystem zu sein, sondern eher die Kombination aus Impact, Druckspitzen, Ermüdung und hohen koordinativen Anforderungen.
Als mögliche Risikofaktoren für eine Belastungsinkontinenz werden in den Studien unter anderem genannt:
Wichtig ist jedoch: Die meisten bisherigen Studien sind Querschnittsstudien. Das bedeutet, sie können Zusammenhänge zeigen, aber keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung beweisen.
Deshalb wäre die Aussage „CrossFit verursacht Inkontinenz“ wissenschaftlich zu stark formuliert.
Präziser wäre: „High-Impact-Sportarten wie CrossFit stellen hohe Anforderungen an den Beckenboden. Bei einem Teil der Athletinnen kann es dabei zu Belastungsinkontinenz kommen.“
Bedeutet Harnverlust automatisch einen schwachen Beckenboden?
Nicht unbedingt: Eine besonders interessante randomisiert-kontrollierte Studie untersuchte gezieltes Beckenbodentraining bei Frauen, die Functional Fitness trainierten. Die Trainingsgruppe absolvierte über 16 Wochen ein Heimprogramm mit gezieltem Pelvic Floor Muscle Training.
Die Verbesserung scheint also nicht einfach nur dadurch entstanden zu sein, dass der Beckenboden „stärker“ wurde. Wahrscheinlich spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle:
Das passt zu modernen sportphysiotherapeutischen Ansätzen: Im Training geht es nicht nur um maximale Spannung, sondern um funktionelle Kontrolle unter Belastung.
Ein dauerhaft „angespannter“ Beckenboden ist nicht automatisch besser. Entscheidend ist vielmehr, dass der Beckenboden situationsgerecht reagieren kann: anspannen, entspannen, Druck aufnehmen und sich an wechselnde Belastungen anpassen.
Frauen mit Belastungsinkontinenz sollten nicht pauschal aus CrossFit oder Functional Fitness herausgenommen werden. Sinnvoller ist es, Belastungen individuell anzupassen, technische und koordinative Faktoren zu betrachten und bei Bedarf physiotherapeutische Unterstützung einzubeziehen.
Im Coaching ist wichtig: Viele Athletinnen sprechen das Thema nicht von selbst an. Sie kompensieren Beschwerden durch Pads, dunkle Kleidung oder das Entleeren der Blase vor dem Training. Das kann kurzfristig helfen, löst aber nicht zwingend das zugrunde liegende Problem.
Deshalb sollte das Ziel sein, einen offenen, professionellen und lösungsorientierten Umgang mit dem Thema zu schaffen.
Functional Fitness stellen hohe Anforderungen an den Beckenboden. Belastungsinkontinenz kann dabei auftreten, ist aber häufig beeinflussbar. Entscheidend sind nicht Angst oder Vermeidung, sondern:
Bei CrossFit Bayreuth legen wir genau darauf Wert: SICHER. STRUKTURIERT. FUNDIERT. TRAINIEREN
Dominguez-Antuña E, Diz JC, Suárez-Iglesias D, Ayán C. Prevalence of urinary incontinence in female CrossFit athletes: a systematic review with meta-analysis. Int Urogynecol J. 2023 Mar;34(3):621-634. doi: 10.1007/s00192-022-05244-z. Epub 2022 May 30. PMID: 35635565; PMCID: PMC9150382.
Skaug KL, Engh ME, Bø K. Pelvic floor muscle training in female functional fitness exercisers: an assessor-blinded randomised controlled trial. Br J Sports Med. 2024 Apr 25;58(9):486-493. doi: 10.1136/bjsports-2023-107365. PMID: 38413133; PMCID: PMC11103308.
Álvarez-García C, Doğanay M. The prevalence of urinary incontinence in female CrossFit practitioners: A systematic review and meta-analysis. Arch Esp Urol. 2022 Jan;75(1):48-59. English, Spanish. PMID: 35173077.
Functional Fitness und CrossFit haben sich in den vergangenen Jahren – insbesondere bei Frauen – stark etabliert. Viele Frauen nutzen diese Trainingsformen nicht nur zur Leistungssteigerung, sondern auch für Gesundheit, Kraftaufbau und langfristige Fitness.
Gleichzeitig rückt ein Thema zunehmend in den Fokus von Wissenschaft und Praxis: Harninkontinenz während des Trainings, insbesondere die sogenannte Belastungsinkontinenz.
Bei der Belastungsinkontinenz, im Englischen Stress Urinary Incontinence (SUI), kommt es unter körperlicher Belastung zu ungewolltem Urinverlust. Der Begriff „Stress“ meint hier nicht psychischen Stress, sondern mechanische Belastung.
Dabei können typische Auslöser können: Husten oder Niesen, Joggen, Seilspringen / Double Unders, Box Jumps oder auch schwere Lifts.
Im CrossFit- und Functional-Fitness-Kontext entstehen häufig hohe Anforderungen an den Körper: schnelle Lastwechsel, Sprünge, hohe intraabdominale Druckspitzen, Ermüdung und wiederholte Stoßbelastungen. Der Beckenboden muss dabei nicht einfach nur „stark“ sein, sondern vor allem gut mit Atmung, Rumpfspannung und Bewegung zusammenspielen.
Er muss Druck regulieren, vorausschauend reagieren und sich schnell anspannen und wieder entspannen können. Genau hier können bei manchen Athletinnen Probleme entstehen.
Gezielte Untersuchungen zum Thema zeigen einstimmig: Harninkontinenz kommt bei Frauen im CrossFit und Functional Fitness relativ häufig vor. Die berichteten Häufigkeiten unterscheiden sich jedoch je nach Studie, Studiendesign und untersuchter Gruppe.
In den vorliegenden Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen liegt die berichtete Prävalenz von Harninkontinenz bei CrossFit-Athletinnen ungefähr zwischen 30 und 45 Prozent.
Die häufigste Form war dabei die Belastungsinkontinenz. Besonders häufig wurden Beschwerden bei Übungen wie Double Unders, Box Jumps, Laufen und Sprungbewegungen beschrieben.
Interessant ist dabei: Die Autorinnen und Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Häufigkeit bei CrossFit-Athletinnen ähnlich ist wie bei Frauen in anderen High-Impact-Sportarten.
Dazu zählen zum Beispiel: Turnen, Trampolinsport, Volleyball oder diverse Laufdisziplinen. Der gemeinsame Nenner scheint daher weniger „CrossFit“ als einzelnes Trainingssystem zu sein, sondern eher die Kombination aus Impact, Druckspitzen, Ermüdung und hohen koordinativen Anforderungen.
Als mögliche Risikofaktoren für eine Belastungsinkontinenz werden in den Studien unter anderem genannt:
Wichtig ist jedoch: Die meisten bisherigen Studien sind Querschnittsstudien. Das bedeutet, sie können Zusammenhänge zeigen, aber keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung beweisen.
Deshalb wäre die Aussage „CrossFit verursacht Inkontinenz“ wissenschaftlich zu stark formuliert.
Präziser wäre: „High-Impact-Sportarten wie CrossFit stellen hohe Anforderungen an den Beckenboden. Bei einem Teil der Athletinnen kann es dabei zu Belastungsinkontinenz kommen.“
Bedeutet Harnverlust automatisch einen schwachen Beckenboden?
Nicht unbedingt: Eine besonders interessante randomisiert-kontrollierte Studie untersuchte gezieltes Beckenbodentraining bei Frauen, die Functional Fitness trainierten. Die Trainingsgruppe absolvierte über 16 Wochen ein Heimprogramm mit gezieltem Pelvic Floor Muscle Training.
Die Verbesserung scheint also nicht einfach nur dadurch entstanden zu sein, dass der Beckenboden „stärker“ wurde. Wahrscheinlich spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle:
Das passt zu modernen sportphysiotherapeutischen Ansätzen: Im Training geht es nicht nur um maximale Spannung, sondern um funktionelle Kontrolle unter Belastung.
Ein dauerhaft „angespannter“ Beckenboden ist nicht automatisch besser. Entscheidend ist vielmehr, dass der Beckenboden situationsgerecht reagieren kann: anspannen, entspannen, Druck aufnehmen und sich an wechselnde Belastungen anpassen.
Frauen mit Belastungsinkontinenz sollten nicht pauschal aus CrossFit oder Functional Fitness herausgenommen werden. Sinnvoller ist es, Belastungen individuell anzupassen, technische und koordinative Faktoren zu betrachten und bei Bedarf physiotherapeutische Unterstützung einzubeziehen.
Im Coaching ist wichtig: Viele Athletinnen sprechen das Thema nicht von selbst an. Sie kompensieren Beschwerden durch Pads, dunkle Kleidung oder das Entleeren der Blase vor dem Training. Das kann kurzfristig helfen, löst aber nicht zwingend das zugrunde liegende Problem.
Deshalb sollte das Ziel sein, einen offenen, professionellen und lösungsorientierten Umgang mit dem Thema zu schaffen.
Functional Fitness stellen hohe Anforderungen an den Beckenboden. Belastungsinkontinenz kann dabei auftreten, ist aber häufig beeinflussbar. Entscheidend sind nicht Angst oder Vermeidung, sondern:
Bei CrossFit Bayreuth legen wir genau darauf Wert: SICHER. STRUKTURIERT. FUNDIERT. TRAINIEREN
Dominguez-Antuña E, Diz JC, Suárez-Iglesias D, Ayán C. Prevalence of urinary incontinence in female CrossFit athletes: a systematic review with meta-analysis. Int Urogynecol J. 2023 Mar;34(3):621-634. doi: 10.1007/s00192-022-05244-z. Epub 2022 May 30. PMID: 35635565; PMCID: PMC9150382.
Skaug KL, Engh ME, Bø K. Pelvic floor muscle training in female functional fitness exercisers: an assessor-blinded randomised controlled trial. Br J Sports Med. 2024 Apr 25;58(9):486-493. doi: 10.1136/bjsports-2023-107365. PMID: 38413133; PMCID: PMC11103308.
Álvarez-García C, Doğanay M. The prevalence of urinary incontinence in female CrossFit practitioners: A systematic review and meta-analysis. Arch Esp Urol. 2022 Jan;75(1):48-59. English, Spanish. PMID: 35173077.